Warum dieses Bistrò in Olbia die Herzen erobert
Anticas Licanzias Bistrò fühlt sich an wie das Esszimmer eines Einheimischen: sanftes Licht, schlichtes Holz, rustikale Textilien und ein gemächlicher Rhythmus, der das Essen für sich sprechen lässt. Die Küche setzt auf sardische Klassiker statt auf ausgefallene Verspieltheiten. Die Teller kommen großzügig und gut gewürzt daher – die Art von Küche, bei der man den letzten Saft mit Brot aufwischt.
Tritt man vom Corso Umberto in die Via Tigellio, verlangsamt sich das Tempo. Anticas Licanzias Bistrò liegt inmitten der schmalen Gassen von Olbias centro storico, klein genug, um es zu Fuß zu durchqueren.
Das Publikum ist eine beständige Mischung aus Nachbarn und Reisenden. Es ist früh am Abend ruhig, später belebter und immer entspannt. Kommt bereit, euch niederzulassen.
Dies ist keine reine Sommeradresse. Man hat auch im Herbst und Winter geöffnet, und Dezemberabende passen gut dazu: kühle Luft draußen, Küchendüfte drinnen und die Ruhe, die einen ein weiteres Glas bestellen lässt. Die Winteröffnungszeiten können variieren, daher lohnt es sich, außerhalb der Saison vorher anzurufen.
Was man essen sollte: meine Menü-Favoriten
Die Speisekarte ändert sich mit den Jahreszeiten, aber ein paar sardische Klassiker lohnen es sich zu suchen, falls man sie entdeckt:
- Zuppa gallurese (suppa cuata): keine Suppe, sondern Schichten aus altbackenem Brot und jungem Pecorino, im Fond gebacken. Erwartet eine gebräunte Kruste, eine weiche, puddingartige Mitte und ein tiefes, fleischiges Aroma, selbst wenn ohne Fleisch zubereitet. Die scharfe, salzige Note des Pecorino Sardo ist hier das Herzstück – ein DOP-Käse, geschützt durch das Pecorino Sardo Consortium (Quelle).
- Malloreddus alla campidanese: gerillte Gnocchetti, die ein langsam gekochtes Wurst-Tomaten-Ragù festhalten. Die Sauce sollte richtig reduziert, tomatenfrisch, leicht mit Fenchelsamen gewürzt und mit geriebenem Pecorino vollendet sein.
- Culurgiones: pralle, von Hand geformte Teigtaschen, meist gefüllt mit Kartoffel, Minze und jungem Pecorino. Achtet auf dünnen, seidigen Teig und eine cremige, pfeffrige Füllung, verfeinert mit glänzender Butter, Salbei und einem Hauch knuspriger Salzkörner obenauf.
- Fregola mit Muscheln: geröstete Grießperlen in safranfarbener Brühe. Die besten Versionen schmecken nach Meer mit pfeffrigem Abgang und gerade gegarten Muscheln.
- Maialetto (gebratenes Spanferkel): wenn angeboten, sollte die Haut knacken und das Fleisch zart und leicht süßlich bleiben, mit Rosmarin und Myrte im Hintergrund. Oft schlicht mit Bratkartoffeln und einer Zitronenspalte serviert.
- Frischer Fisch aus lokalem Fang: fragt nach dem Fang des Tages. Gegrillte Filets mit Zitrone und gutem Olivenöl sind die verlässlichste Art, die Küste zu schmecken.
- Seadas: ein warmes, frittiertes Gebäck, gefüllt mit jungem Käse und mit bitterem Honig übergossen. Erwartet eine knusprige Hülle, einen schmelzenden, ziehenden Kern und ein süß-salziges Gleichgewicht, das eine sardische Mahlzeit gebührend abschließt.
Zum Auftakt ist ein Korb pane carasau immer willkommen. Dieses papierdünne Fladenbrot sollte klar und knackig sein und toastig schmecken – ideal mit gutem Öl, einer Prise Salz und Oliven (mehr über pane carasau). Wird es als pane frattau serviert, geschichtet mit Tomate und einem weichen Ei, bestellt lieber das.
Falls ihr saisonale Beilagen entdeckt, bestellt sie. Der Frühling bringt wilden Spargel und Artischocken. Der Sommer setzt eher auf Tomaten und Zucchini, oft gegrillt und schlicht mit Öl und Kräutern angemacht.
Käseliebhaber sollten sich Platz für einen kleinen Teller Pecorino mit Honig oder Marmelade lassen. Er bildet die Brücke zwischen Hauptgang und Dessert.
Wein zur Begleitung in Olbia
Der Wein kostet etwa 4 bis 8 EUR pro Glas, die meisten Flaschen liegen zwischen 25 und 36.
Olbia liegt in Gallura, der Heimat des Vermentino di Gallura DOCG, dem einzigen DOCG-Wein der Insel, bekannt für Zitrusnoten, Kräuter und einen salzigen Abgang, der zu Meeresfrüchten und jungem Pecorino passt. Fragt nach einem gekühlten Glas zur Fregola, zu gegrilltem Fisch, zu Culurgiones in Butter und Salbei oder zu allem, was Bottargas salzigen Kick trägt.
Zu deftigeren Gerichten wie Zuppa gallurese, Malloreddus oder Maialetto gleicht ein mittelkräftiger Rotwein wie Cannonau oder Carignano das Fett und die Rauchnoten aus und bringt rote Frucht sowie sanfte Würze mit. Fragt das Team, ob glasweise oder flaschenweise sinnvoller ist. Sie kennen die Weinkarte, schenken mit leichter Hand ein, und halbe Flaschen oder einzelne Gläser erlauben es, Weine über mehrere Gänge hinweg zu kombinieren, ohne sich zu übernehmen. 🍷
Atmosphäre und Service
Der Service ist entspannt und aufmerksam, ohne aufdringlich zu sein. Das Personal erklärt Gerichte eher wie Gastgeber als wie Verkäufer, gibt ehrliche Ratschläge zu Portionen und Weinbegleitung und lenkt einen gerne zu einem weniger bekannten Produzenten oder einem saisonalen Gericht außerhalb der Karte. Es ist die Art von Raum, in dem man das Handy weglegt, sich vorbeugt und auf das achtet, was auf dem Tisch steht.
Kommt früh für ein ruhigeres Essen, oder schließt euch nach 20.30 Uhr dem lokalen Rhythmus an, wenn der Trubel zunimmt.
Praktische Details: Preise, Reservierung, Lage
- Preisspanne: Die Speisekarte ändert sich mit der Saison, daher versteht diese Angaben eher als Richtwert denn als feste Preisliste. Auf der im Juli 2026 veröffentlichten Karte kosteten Käse- und Wurstplatten 10 bis 12 EUR, frische Pasta 16 bis 30 je nach Sauce, Hauptgänge 18 bis 30, Beilagen 8 bis 10 und jedes Dessert 8. Gedeck und Service kosten pauschal 2 EUR pro Person. Ein einfaches Mittagsgericht mit einem Glas Wein kommt auf etwa 20 bis 30 EUR pro Person, während ein ausgiebigeres Abendessen mit zwei Gängen und Wein eher bei 35 bis 50 liegt. Die Portionen sind großzügig.
- Öffnungszeiten: Mittag- und Abendessen jeden Tag außer dienstags, ungefähr von 12.30 bis 14.30 Uhr und von 19 bis 22.30 Uhr.
- Reservierung: Abends wird es voll, daher lohnt sich eine Reservierung, besonders im Sommer. Kommt ihr ohne, landet ihr eventuell auf der Warteliste. Tische zum Mittagessen am selben Tag sind meist einfacher zu bekommen. Ruft trotzdem vorher an, wenn ihr euer Herz an Maialetto oder ein bestimmtes Tagesgericht gehängt habt. Die Nummer ist +39 0789 27110.
- Zahlung: Die meisten Lokale im Zentrum von Olbia akzeptieren Karten, aber führt etwas Bargeld für kleine Extras mit.
- Kleiderordnung: Smart-Casual passt gut. Bequeme Schuhe helfen auf dem Kopfsteinpflaster der Altstadt.
- Hinweise zu Ernährungsformen: Die sardische Küche setzt stark auf Pecorino, Weizenpasta und Schweinefleisch. Erwähnt eure Vorlieben bei der Bestellung; die Küche kann euch oft zu einfacherem gegrilltem Fisch oder Gemüsebeilagen führen.
- Anfahrt: Das Bistrò liegt in der Via Tigellio 12, eine kurze Abbiegung vom Corso Umberto. Straßenparkplätze und kleine Parkflächen liegen rund um das Zentrum, also gebt euch ein paar zusätzliche Minuten zum Parken und Hineingehen. Aktuelle Stadt- und Reiseinfos findet ihr beim offiziellen Tourismusverband der Region (Sardegna Turismo).
- Anreise mit dem Flugzeug: Der Flughafen Olbia Costa Smeralda verbindet die Stadt mit Italien und dem Rest Europas, laut Flughafenbetreiber Geasar (Quelle). Von den meisten zentralen Hotels ist es eine kurze Taxifahrt entfernt, was dies zu einem leichten ersten Abendessen macht, falls ihr spät landet.
Insider-Tipps zur Bestellung
- Startet leicht: teilt euch eine Vorspeise, idealerweise eine gemischte lokale Aufschnitt-, Käse- und Gemüseplatte, damit ihr breit probiert und trotzdem Platz für Pasta und einen Hauptgang habt. Die Seadas wollt ihr euch später nicht entgehen lassen.
- Fragt, was Saison hat: Artischocken, wilder Fenchel und lokale Pilze wechseln sich bei den Beilagen und den saisonalen Gerichten außerhalb der Karte ab. Ein Tagesfisch oder eine saisonale Pasta übertrifft oft die gedruckte Karte.
- Probiert Bottarga, falls angeboten: über Spaghetti oder Gemüse gehobelt, bringt sie ein klares Meeresaroma und herzhafte Tiefe mit. Kombiniert sie mit einem spritzigen Vermentino.
- Achtet auf den Käse: Pecorino variiert je nach Reifegrad. Jung ist er milchig und mild, gereift ist er fest mit einem scharfen, salzigen Biss, der zarte Saucen überdecken kann. Das Pecorino Sardo Consortium erklärt die Stile und Reifekategorien (Referenz).
- Schließt richtig ab: Seadas, danach ein kleines Glas Mirto oder ein lokaler Dessertwein.
Gut zu wissen
Das Mittagessen ist ruhiger und etwas zügiger. Das Abendessen ist eine Angelegenheit zum Verweilen und Reden. Erscheint pünktlich zu Reservierungen und erwartet einen entspannten Rhythmus zwischen den Gängen. Genau dieses langsame Tempo trägt dazu bei, dass die Aromen so klar zur Geltung kommen.
Der Sommer wirkt lebhaft und voller Besucher, während der späte Herbst und der Dezember den Raum in eine warme Zuflucht verwandeln. Die Küche ändert sich dabei kaum, und genau das ist der Punkt.
Wenn ihr ein Souvenir möchtet, holt euch am nächsten Tag lokales pane carasau oder ein Stück Pecorino Sardo bei einem Feinkosthändler. Sie sind gut transportierbar und verlängern das Essen zu Hause.





