Ein Morgen mit dem Bärenfelsen
Früher fuhr ich immer an der Roccia dell'Orso vorbei und nahm mir vor, endlich hinaufzusteigen. Heute habe ich angehalten. Der Pfad beginnt kurz außerhalb von Palau und fühlt sich eher nach einem Spaziergang an als nach einer Wanderung: 15 bis 20 Minuten durch Erdbeerbäume, Mastix und niedrigen Wacholder, der an den Ärmeln haftet und duftet, wenn man ihn streift. Turnschuhe reichen völlig.
Der Felsen selbst ist heller Granit, rund und vom Wind und Salz geformt. Aus einem bestimmten Winkel sitzt er da wie ein Bär, der aufs Meer schaut – eine Gestalt, die Seeleute seit Generationen erkennen. Die Oberfläche ist mit Tafoni übersät, wabenartigen Hohlräumen, die fast wie versteinerte Rippen aussehen. An klaren Tagen reicht der Blick über die Inseln von La Maddalena bis zu den Gipfeln Korsikas. Ich saß eine Weile auf einer warmen Granitplatte, nur der Wind und dieser weite Horizont um mich herum.
Die Roccia dell'Orso steht als Naturdenkmal unter Schutz und ist ein Wahrzeichen, das eng mit der Identität dieser Küste verbunden ist, wie die offizielle Seite von Sardegna Turismo erklärt.
Unkompliziert besuchen
Uhrzeit und Licht
Geh früh, wenn das Licht weicher und die Luft kühler ist. Auch der späte Nachmittag ist wunderschön. Auf den oberen Felsplatten gibt es kaum Schatten – Wasser und eine Mütze sind daher empfehlenswert. Wenn der Mistral weht, kann es kälter sein, als es aussieht.
Weg und Zugang
Die Route ist kurz, ausgeschildert und stellenweise mit Stufen versehen. Familien laufen sie regelmäßig. Plane 45 Minuten für den Hin- und Rückweg ein, mit Zeit für Fotos und eine ruhige Pause. Der Startpunkt liegt nur wenige Fahrminuten vom Zentrum Palaus entfernt. Am Wegbeginn gibt es Parkmöglichkeiten.
Den Felsen respektieren
Bleib auf den Wegen, klettre nicht in die Hohlräume und geh möglichst auf Stein, um die Pflanzen zu schützen. Nimm alles wieder mit, was du mitgebracht hast.
Was du siehst: Tafoni und Granit
Diese filigranen Hohlräume sind Tafoni – sie entstehen, wenn Salz und Feuchtigkeit den Granit schwächen und Körner herausfallen, sodass im Laufe von Jahrtausenden wabenartige Strukturen entstehen. Es ist ein Muster, das in Küstengraniten auf der ganzen Welt vorkommt, wie die Encyclopaedia Britannica in einer übersichtlichen Darstellung erklärt. Wenn man darunter steht, spürt man auf stille Weise, wie die Zeit an der Arbeit ist.
Daraus einen perfekten Tag machen: einfach und entspannt
Vorgeschlagener Tagesablauf
- 8:30 Uhr: Am Parkplatz am Wegbeginn parken und zum Bärenfelsen hinaufgehen. Lass dir Zeit auf dem Gipfel.
- 10:00 Uhr: Kaffee zurück in Palau. Durch den Hafen schlendern und die Granitbrocken entlang der Küste betrachten.
- 11:00 Uhr: Fähre nach La Maddalena für einen entspannten Insel-Nachmittag. Überfahrten laufen den ganzen Tag, wie der Fahrplan von Delcomar zeigt.
- 11:30 Uhr–16:30 Uhr: Die Panoramaringstraße auf La Maddalena entlangfahren oder an einer Bootsrundfahrt teilnehmen. Aktuelle Parkhinweise und saisonale Regelungen gibt es auf dem offiziellen Portal des Nationalparks bei Parks.it: Informationsseite.
- 17:30 Uhr: Zurück in Palau für ein frühes Aperitivo und einen letzten Blick hinauf zum Bären.
Hinweise zur Anreise
Mit einem Auto lässt sich der Wegbeginn am einfachsten erreichen und die Küstenstraße auf La Maddalena erkunden. Die Fähre zwischen Palau und La Maddalena nimmt sowohl Fahrzeuge als auch Fußgänger mit. Wer ohne Auto unterwegs ist, kann mit lokalen Taxis und saisonalen Kleinbussen die Strände auf der Insel erreichen.
Authentische Einkäufe rund um Palau
Palau ist überschaubar. Geh ein oder zwei Straßen vom Ufer weg, um kleine Werkstätten und ruhigere Boutiquen zu finden. Achte auf:
- Filigranschmuck mit traditionellen sardischen Motiven. Frage nach Stücken, die vom Hersteller signiert sind, und prüfe Verschlüsse und Verarbeitung.
- Korkwaren aus der Gallura, von einfachen Untersetzern bis hin zu gut verarbeiteten Taschen. Hochwertige Arbeit fühlt sich leicht, aber stabil an und hat saubere Nähte.
- Keramik mit matten Glasuren und klaren, handbemalten Mustern. Bevorzuge Ateliers, die erklären können, wo sie brennen und glasieren.
- Handgewebte Textilien und Körbe. Die Herkunft spielt eine Rolle. Der Name eines Herstellers oder das Etikett einer Genossenschaft ist ein gutes Zeichen.
Bei Mitbringseln fürs Essen suche ich nach Myrtenlikör in kleinen Auflagen, Honig aus den Hügeln des Landesinneren und reisetauglich verpacktem Pecorino. Meide wenn möglich die Läden direkt an der Fährrampe. Schon eine Straße weiter inland bedeutet meist bessere Qualität und ein ruhigeres Gespräch mit dem Inhaber.
Wenn du noch mehr Zeit hast
Zurück auf dem Festland thront die Fortezza di Monte Altura aus dem 19. Jahrhundert auf einem weiteren Granitrücken oberhalb von Palau. Ihre Geschützstellungen und Meerblicke erzählen eine andere Geschichte dieser Küste. Prüfe vor dem Besuch die saisonalen Öffnungszeiten; Sardegna Turismo bietet eine Übersicht des Ortes hier.
Kurze Checkliste
- Schuhwerk: bequeme Turnschuhe
- Sonne: Mütze, Wasser, eine leichte Schicht für den Fall, dass der Wind auffrischt
- Fotos: genieße die ersten Minuten ohne Bildschirm, dann such dir deine Blickwinkel 📷
- Respekt: auf den Wegen bleiben und die Tafoni unberührt lassen
Ein einfacher Morgen auf einem Granitvorgebirge kann einen lange begleiten. Der Bärenfelsen ist der Beweis dafür.






