An einem kühlen Abend in Olbia verwandelte sich der Kunstraum des Green Life Store in ein kleines Fenster zum Hochland der Barbagia. Gemeinsam mit der Sardinia International School veranstalteten sie eine praktische Einführung in die Masken von Mamoiada: eine Schnitzbank, der Duft von Holzspänen, ein paar gut gewählte Geschichten und ein Glas Cannonau in der Hand.
Das Geheimnis der Masken von Mamoiada
Mamoiada liegt im Herzen Sardiniens, wo winterliche Karnevalsfeiern noch den Rhythmus einer älteren Welt tragen. Die beiden Figuren des Ortes, Mamuthones und Issohadores, treten stets als Paar auf. Laut der Übersicht des regionalen Tourismusverbands zu Mamoiada und seinen Traditionen gehören diese Figuren zu den markantesten rituellen Darstellern Sardiniens (Sardegna Turismo).
Mamuthones und Issohadores
Mamuthones tragen dunkle Holzmasken mit starren, kraftvollen Zügen und schwere Kuhglocken, die auf ihrem Rücken befestigt sind. Ihre Schritte sind langsam und streng gemustert, eine Prozession, die viele mit uralten Riten zum Schutz und zur Erneuerung in Verbindung bringen. Die Issohadores bewegen sich in leichterer Kleidung durch die Menge und schlingen mit einem Seil spielerisch kurz eine Schulter ein. „Gefangen“ zu werden gilt als Glück.
Was man heute sieht, ist kein Theater im modernen Sinne. Es ist ein dörflicher Ritus, dessen Bedeutungen sich über Jahrhunderte formten und von älteren Hütern an jüngere weitergegeben wurden.
Im Inneren des Schnitzens: wie eine Maske entsteht
Der Höhepunkt des Abends war eine Live-Vorführung. Ein Block einheimischen Holzes nahm unter kleinen, gezielten Schnitten Gestalt an. Zuerst die Flächen, dann die Brauen, dann der Mund, der der Maske ihre Kraft verleiht. Jeder Handwerker trifft andere Entscheidungen: Erle oder Nussbaum, scharfe oder runde Linien, ein glatterer Schliff oder eine rauere, handgehauene Oberfläche. Das Ergebnis ist nie identisch. Jede Maske trägt Auge und Hand ihres Schöpfers.
Wer neugierig auf einen breiteren Kontext ist: Das Museum der mediterranen Masken in Mamoiada bietet einen klaren, gut kuratierten Rundgang durch die rituellen Traditionen der Insel und verwandte Masken aus dem weiteren Mittelmeerraum (Museo delle Maschere Mediterranee).
Musik, Aperitivo und ein gemeinsamer Tisch
Zwischen den Schnitzphasen füllte ein kleines Ensemble den Raum mit sardischen Melodien. Der Aperitivo war schlicht und regional: Pecorino in verschiedenen Reifegraden, Pane Carasau, Wurstwaren aus dem Landesinneren, Oliven und ein Schluck Cannonau. Er passte zum Ton des Abends: direkt, unkompliziert und tief mit dem Ort verwurzelt.
Einen Tagesausflug planen: Olbia nach Mamoiada
Wenn der Abend Ihre Neugier geweckt hat, nehmen Sie sich einen Tag Zeit, um Mamoiada zu besuchen. Sie tauschen die Küste gegen Eichenwälder, Weinberge und Granitdörfer.
Anreise
- Mit dem Auto: etwa 2 Stunden pro Strecke. Nehmen Sie die SS131 DCN Richtung Nuoro und folgen Sie dann den Schildern nach Mamoiada. Die Straßen sind gut instand gehalten, mit landschaftlich reizvollen Abschnitten nahe dem Hochland.
- Mit dem Bus: ARST betreibt Strecken Olbia–Nuoro mit einer lokalen Verbindung nach Mamoiada. Prüfen Sie die Fahrpläne im Voraus und planen Sie zusätzliche Zeit für Umstiege ein.
Vorgeschlagener Zeitplan
- 08:30 Abfahrt Olbia.
- 10:30 Ankunft Mamoiada. Kaffee auf der Hauptpiazza, kurzer Spaziergang zwischen Steinhäusern.
- 11:00 Museumsbesuch. Nehmen Sie sich 60–90 Minuten für die Ausstellung.
- 12:45 Stopp bei einem Handwerker. Treffen Sie, wenn möglich, einen Maskenschnitzer in seiner Werkstatt. Viele sind klein, daher hilft ein vorheriger Anruf.
- 14:00 Mittagessen. Wählen Sie eine einfache Trattoria oder einen Agriturismo für saisonale Gerichte aus der Barbagia.
- 15:30 Kurzer Spaziergang durch Weinberge oder das Dorf. Achten Sie auf Wandmalereien, die auf die Mamuthones verweisen.
- 16:30 Rückfahrt nach Olbia.
Das Echte kaufen: worauf man beim Einkauf achten sollte 🎭
Authentische Masken aus Mamoiada werden aus Holz geschnitzt, von Hand fertiggestellt und tragen die Signatur oder Kennzeichnung des Herstellers. So wählen Sie klug:
- Material und Gewicht: echte Masken sind aus Holz. Kopien aus Kunstharz fühlen sich leichter und zu gleichmäßig an.
- Werkzeugspuren: feine, unregelmäßige Schnitte deuten auf Handarbeit hin. Absolute Glätte kann ein Warnsignal sein.
- Augen und Mund: der Ausdruck ist die Seele des Stücks. Handwerker haben erkennbare Stile.
- Herkunft: kaufen Sie direkt in einer Werkstatt oder in einem Museumsshop, der den Namen des Handwerkers nennt.
- Preis und Unterlagen: rechnen Sie mit einem höheren Preis für eine signierte, handgeschnitzte Maske. Bitten Sie um eine Quittung mit Angabe der Holzart und des Herstellers.
- Versand und Pflege: Holz bevorzugt eine gleichmäßige Luftfeuchtigkeit. Beim Versand sollten Sie um schützende Verpackung bitten und längere Hitzeeinwirkung vermeiden.
In Mamoiada beginnen Sie am besten mit dem Museum, um sich einzulesen, und schauen sich anschließend in den umliegenden Werkstätten um. In Olbia sollten Sie nach kuratierten Räumen suchen, die namentlich genannte Handwerker präsentieren, statt allgemeiner „Karnevals“-Souvenirs.
An einem Abend in Olbia teilnehmen
Der Green Life Store veranstaltet regelmäßig kulturelle Abende zusammen mit der Sardinia International School, jeweils mit Fokus auf einen Ausschnitt des Erbes der Insel. Die Veranstaltungen sind informell, oft mehrsprachig und auf eine überschaubare Teilnehmerzahl begrenzt.
- Reservieren Sie im Voraus. Kleine Veranstaltungsorte füllen sich schnell, besonders am Wochenende.
- Kommen Sie etwas früher, um Plätze mit klarer Sicht auf den Vorführtisch zu bekommen.
- Tragen Sie legere Kleidung und bringen Sie leichte Schichten mit. Die Türen können während der Musikeinlagen offen stehen.
- Allergien oder Ernährungsbedürfnisse: fragen Sie bei der Buchung nach. Der Aperitivo umfasst meist Käse, Wurstwaren, Oliven und Brot.
Warum es wichtig ist
Schon ein kurzer Abend wie dieser verändert, wie man Sardinien sieht. Wenn man später einem Mamuthone auf der Straße begegnet, wirken der Klang der Glocken und das geschnitzte Gesicht nicht mehr fremd. Sie gehören zu einem lebendigen Ort, und nun hat man einen Faden, dem man ins Landesinnere folgen kann.




