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Baggerplan für Olbia wiederbelebt: Palmera-Sedimentbecken erhalten eine Nutzung, doch eine neue UVP ist weiterhin nötig

Am 29. Oktober wies die Hafenbehörde Sardiniens zwei Sedimentbecken vor dem ehemaligen Palmera-Areal in Olbia eine Nutzung zu und brachte damit den Plan zur Ausbaggerung des Hafens wieder ins Rollen. Der Verwaltungsausschuss der Autorità di sistema portuale del Mare di Sardegna beschloss die Änderung des Hafenentwicklungsplans: Nach der Verfüllung sollen die Becken mit dem angrenzenden Gelände, das bereits für den Bootsbau ausgewiesen ist, zusammengelegt werden. In derselben Sitzung wurde das erste Baggerlos in das Arbeitsprogramm der Behörde für 2027 aufgenommen. Das 2024 auf 94 Millionen Euro veranschlagte Vorhaben würde die Zufahrtsrinne auf 11 Meter und die Becken Isola Bianca und Cocciani auf 10 Meter vertiefen. Dabei sollen rund 700.000 Kubikmeter Sediment bewegt werden, größtenteils zur Verklappung auf See. Im Juni 2025 schloss sich das Umweltministerium der Ablehnung des Kulturministeriums für die beiden großen Becken an, die auf einem der wenigen naturnahen Küstenabschnitte etwa fünf Hektar zusätzliche Aufschüttung bedeutet hätten. Im März 2026 wies das regionale Verwaltungsgericht die Klage der Behörde ab, da der Zweck der Becken nicht begründet worden sei und kein alternativer Standort geprüft wurde. Die neue Zweckbestimmung greift einen der Punkte des Gerichts auf, ist aber keine Umweltgenehmigung: Das Projekt muss eine neue Umweltverträglichkeitsprüfung durchlaufen, und die Einwände des Kulturministeriums gegen die Becken selbst bleiben bestehen. Ein Starttermin für die Baggerarbeiten wurde nicht genannt. Für Reisende ändert sich vorerst nichts: Die Zufahrtsrinne wurde im Mai für die Kreuzfahrtsaison auf Solltiefe gebracht, sodass große Kreuzfahrtschiffe und Fähren den Hafen in dieser Saison nutzen konnten.

Quelle: Shipping Italy

Fähre im Golf von Olbia bei Sonnenuntergang hinter Reihen von Bojen der Austernzucht, am Horizont Berge

Was am 29. Oktober beschlossen wurde

Das Leitungsgremium der Autorità di sistema portuale del Mare di Sardegna (AdSP) hat einen adeguamento tecnico funzionale beschlossen, eine technische Änderung des Hafenentwicklungsplans von Olbia. Sie betrifft die beiden vasche di colmata, also Sedimentbecken, die im Wasser vor dem ehemaligen Palmera-Werk am nördlichen Hafenufer geplant sind. Das berichteten Shipping Italy und Olbia.it.

  • Nach der Auffüllung sollen die Becken an das dahinterliegende Land angebunden werden, das bereits für den Yachtbau genutzt wird.

  • Die Änderung von 2022 hatte nicht festgelegt, was aus den Becken werden sollte – genau diese Lücke hatte das Gericht im März bemängelt.

  • Das Projekt muss nun erneut die valutazione di impatto ambientale (VIA), die Umweltverträglichkeitsprüfung, durchlaufen.

  • Das erste Baggerlos steht im Arbeitsprogramm der Behörde für 2027, das in derselben Sitzung verabschiedet wurde. Shipping Italy beziffert die Investitionen für 2027 in allen neun Häfen des Systems auf über 114 Millionen Euro.

AdSP-Präsident Domenico Bagalà sagte, die Änderung ziele darauf ab, «dare una destinazione certa a un'area dismessa e rafforzare un polo della cantieristica già consolidato» (einer brachliegenden Fläche eine klare Bestimmung zu geben und einen bereits etablierten Standort des Bootsbaus zu stärken).

Das Projekt

Der Baggerplan, der 2024 zur Umweltprüfung eingereicht wurde, sah laut der damaligen Beschreibung von Shipping Italy Folgendes vor:

  • Zufahrtskanal von der Einfahrt des Golfs bis zur Isola Bianca und zum Porto Cocciani auf 11 Meter vertieft, die übrigen Bereiche auf 10 Meter

  • Rund 700.000 Kubikmeter Sediment, davon etwa 630.000 als geeignet für die Verklappung auf See eingestuft, in einem gemeinsam mit der ISPRA, dem nationalen Institut für Umweltforschung, festgelegten Gebiet

  • Verlängerung von Kai 9, der Kai 8 aufnehmen soll, sodass ein rund 350 Meter langer Kai mit einem 316 Meter langen Liegeplatz für Ro-Ro-Fähren und Kreuzfahrtschiffe entsteht, dazu ein neuer Anlegesporn von 40 mal 40 Metern

  • Vier Becken: zwei kleine für die Kaiarbeiten und zwei größere an der ehemaligen Palmera-Mole für Sediment, das rechtlich nicht auf See entsorgt werden darf

  • Kosten rund 94,3 Millionen Euro, 525 Tage Bauzeit

Erklärtes Ziel ist es, den Hafen für größere Ro-Pax-Fähren und Kreuzfahrtschiffe offen zu halten und das Anlegen sicherer zu machen. Im Juni 2025 warnte der damalige AdSP-Präsident Massimo Deiana, ohne die Baggerarbeiten werde Olbia Kreuzfahrtanläufe verlieren und künftig möglicherweise auch größere moderne Fähren, so Shipping Italy.

Warum das Projekt gestoppt wurde

  • Juni 2025: Das Umweltministerium (MASE) schloss die VIA mit einem positiven Gutachten unter Auflagen für den größten Teil des Projekts ab, übernahm aber die Ablehnung der beiden großen Becken durch das Kulturministerium. Dieses erklärte, sie würden rund fünf Hektar Aufschüttung auf «uno dei rari tratti di morfologia costiera naturale risparmiato dai banchinamenti» bedeuten, also auf einem der seltenen Abschnitte natürlicher Küstenform, die von Kaianlagen verschont geblieben sind. Dieser sei durch ein Dekret von 1965 geschützt, das die Küste von Olbia zum Gebiet von erheblichem öffentlichem Interesse erklärt.

  • März 2026: Das TAR Sardegna wies die Klage der AdSP ab. Wie La Nuova Sardegna und Shipping Italy berichteten, stellte das Gericht fest, dass das Projekt «non motiva la finalità» der Becken, die offenbar nur der Lagerung überschüssigen Sediments dienten; dass es «non ha fornito alcuna localizzazione alternativa»; dass sein sozioökonomischer und ökologischer Nutzen nicht nachgewiesen sei; und dass die Lösung realistisch weder umkehrbar noch abmilderbar sei.

Die AdSP hatte argumentiert, die Becken seien für Sediment nötig, das rechtlich nicht auf See entsorgt werden darf, und das Gelände sei staatliches Seegebiet innerhalb des Industriegebiets und liege außerhalb des Schutzes von 1965. Das Gericht folgte dem nicht.

Was die neue Änderung löst und was nicht

Eine endgültige Nutzung für die Becken festzulegen beantwortet den Einwand des Gerichts zu ihrem Zweck. Nach unserer Lesart der Berichte beantwortet sie die übrigen Gründe jedoch nicht von selbst: das Fehlen alternativer Standorte, die fünf Hektar Aufschüttung an einem geschützten Uferabschnitt und die fehlende Kosten-Nutzen-Begründung. Diese Punkte werden in der neuen VIA erneut geprüft.

Es gibt einen möglichen Weg an den Becken vorbei. Ein Ministerialdekret vom 16. Dezember 2025, veröffentlicht am 30. Januar 2026, aktualisierte die Vorschriften für die Verklappung von Baggergut auf See, und die AdSP beauftragte Untersuchungen auf offener See, um neue Verklappungsstellen zu finden. Damit könnte sie die Becken verkleinern oder ganz aufgeben, berichtete La Nuova Sardegna im Februar. Der Beschluss vom 29. Oktober behält die Becken im Plan.

Der Hafen heute

Im Mai ebnete die AdSP den Zufahrtskanal mit dem Kranschiff Hebo Lift II ein, um die Wassertiefe für die Kreuzfahrtsaison 2026 wiederherzustellen. Bagalà sagte, der Meeresboden erlaube dem Hafen nun, «con la massima capacità operativa» zu arbeiten, also mit voller Betriebskapazität, so Shipping Italy. Das war Instandhaltung; die eigentliche Vertiefung hat nicht begonnen.

Ein Hinweis zu den Zahlen

Das für die Becken vorgesehene Volumen variiert je nach Quelle und Projektversion: etwa 65.000 Kubikmeter in der Beschreibung von Shipping Italy aus dem Jahr 2024, die den beiden großen Becken zugleich eine Kapazität von rund 200.000 zuschreibt; etwa 250.000 in dessen Bericht vom Juni 2025 sowie 200.000 bis 250.000 im Bericht von La Nuova Sardegna vom Februar 2026. Die Kosten von 94,3 Millionen Euro und die Tiefen stammen aus dem Projekt von 2024; aktualisierte Kosten wurden nicht veröffentlicht. Die verabschiedete Änderung, das MASE-Dekret und das TAR-Urteil selbst haben wir nicht gesehen, nur die Mitteilung der Behörde und Presseberichte darüber.

Offenlegung: Sardinia Blog gehört zum Rental12-Umfeld, das Wohnungen in Olbia und Golfo Aranci vermietet. Ein möglicher wirtschaftlicher oder touristischer Nutzen der Baggerarbeiten würde Unternehmen betreffen, die mit uns verbunden sind; dieser Bericht stützt sich auf offizielle Beschlüsse und unabhängige Berichterstattung.

Foto: eine Fähre im Golf von Olbia bei Sonnenuntergang, hinter den Bojen der Austernzucht. Foto: Sardinia Blog.

Quellen: Shipping Italy, 29. Oktober 2026 · Olbia.it, 30. Oktober 2026 · Shipping Italy, 13. März 2026 · La Nuova Sardegna, 13. März 2026 · Gallura Oggi, 14. März 2026 · La Nuova Sardegna, 22. Februar 2026 · Shipping Italy, 17. Juni 2025 · Shipping Italy, 29. Februar 2024 · Shipping Italy, 18. Mai 2026

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